Früchte
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Heilpflanzenkunde
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„Das Äußere einer Pflanze ist nur die Hälfte ihrer Wirklichkeit“ (J.W. von Goethe)
Ich erinnere mich an eine Exkursion in der Volksschule durch die Wiesen und Felder in der Umgebung, bei der ich mit Begeisterung die Pflanzen bestimmte und in mein Heft zeichnete. Lange Zeit hat diese Begeisterung in mir geruht, bis ich mich im Rahmen der Ausbildung entschieden habe, mich intensiver mit Pflanzen und insbesondere den heimischen Heilpflanzen auseinanderzusetzen.
Es begann eine Zeit, in der sich plötzlich in jeder Ecke meiner Wohnung ein anderes Buch über Heilpflanzen fand und ich bei jeder Gelegenheit darin schmökerte. Auf der Insel Krk hatte ich eine intensive Begegnung mit der Salbeipflanze und ich begann, auf meinen Spaziergängen in der Natur die Pflanzen und Bäume mit allen Sinnen zu erfahren. Im Rahmen eines Referates am Ende des ersten Ausbildungsjahres fasste ich mein bisher erworbenes Wissen über die Geschichte der Nutzung von Heilpflanzen durch den Menschen, die Ernte und Verarbeitung von Heilkräutern und ihre Verwendung beim Räuchern zusammen. Im zweiten Ausbildungsjahr bin ich auf eine Heilpflanzenschule im Waldviertel gestoßen, in der ich viel Wissen über Einsatz und Wesen unserer heimischen Heilpflanzen erfahren durfte. Während dieser Zeit haben die Heilpflanzen auch große Bedeutung in meinem Leben erlangt und sie begleiten mich seither.
In vielen Kulturkreisen wurde die Natur von Beginn des Menschen auf der Erde als Göttin verehrt. Nachdem die Großwildherden zum Ende der Alten Steinzeit nach Sibirien abgewandert waren und das verbleibende Freiwild schwieriger zu jagen war, gewannen Pflanzen in der Nahrungsmittelversorgung der Menschen stark an Bedeutung. Da das Überleben der Menschen maßgeblich von der Verfügbarkeit von Pflanzen abhing, sahen sie die Natur als etwas Göttliches und verehrten sie als „Große Mutter“. Die Pflanzen wurden dabei als MittlerInnen zwischen den Welten und als Kommunikationsmedium zwischen den GöttInnen und den Menschen gesehen. Dass die Natur in allen Kulturkreisen dem Weiblichen zugeordnet war, kann unter anderem auf die Fruchtbarkeit und die Fähigkeit der Natur, neues Leben hervorzubringen, zurückgeführt werden.
Vielleicht auch aufgrund dieser Parallele fielen das Sammeln, der Anbau, Ernte und Verarbeitung der Pflanzen damals schon den Frauen zu. Durch die tägliche Beschäftigung mit den Pflanzen entwickelten die Frauen besondere Fähigkeiten im Umgang mit Pflanzen und ein großes Wissen über die Wirkung und Eigenschaften von Pflanzen für den Menschen.
Im Zuge der „Hexenverfolgung“ in Europa wurden im Spätmittelalter und zu Beginn der Neuzeit unter anderem kräuterkundige Frauen und Männer in großer Zahl verfolgt und hingerichtet. Da das Wissen über die Heilkraft von Pflanzen über Generationen hinweg hauptsächlich mündlich weitergegeben wurde, kam es dadurch zu einem großen Verlust an Wissen über den Einsatz von Heilpflanzen zur Gesundheitsvorbeugung und Behandlung von Krankheiten, sowie das Wesen und die Eigenschaften von Pflanzen. Zur weiteren Verdrängung dieses Wissens trug maßgeblich der Vormarsch der Naturwissenschaften und des mechanistischen Weltbildes bei, dem die mathematische Beschreibung der Natur und die Trennung von Körper und Geist zugrunde liegen.
Bei einigen Völkern auf der Welt, in denen die Menschen noch eng mit der Natur verbunden sind und das Zusammenleben von Mensch und Natur auf gegenseitiger Achtung beruht, ist das Wissen über die jeweils heimischen Pflanzen noch gänzlich vorhanden. Pharmakonzerne machen sich dieses Wissen zunutze und versuchen, die enthaltenen Wirkstoffe im Labor zu isolieren und chemisch nachzubauen. Da die Heilwirkung einer Pflanze jedoch durch das Zusammenspiel aller Inhaltstoffe zustande kommt und maßgeblich von der während ihres Wachsens aufgenommenen Umwelteinflüsse und dem richtigen Erntezeitpunkt abhängt, können chemisch erzeugte Präparate keinen vollwertigen Ersatz darstellen.
Viele Menschen haben aufgrund unserer heutigen Art zu leben den Kontakt zur Natur verloren. Wenn wir den Kontakt mit den Pflanzen wieder aufnehmen und den respektvollen Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen wieder erlernen, können wir die Gaben, die die Natur für uns bereit hält, erkennen und nützen.
Vor allem bei der Erhaltung der Gesundheit und bei der Kurierung unserer „kleinen Wehwehchen“ können sie uns kraftvoll unterstützen und oftmals kann dadurch auf den Einsatz von medizinischen Präparaten verzichtet werden.
Nicht nur unser körperliches, sondern auch unser seelisches Wohlbefinden kann durch die Kontaktaufnahme mit der Natur positiv beeinflusst werden.
Mein Anliegen ist es, interessierten Menschen die Natur wieder nahe zu bringen und noch vorhandenes Wissen über den Einsatz von heimischen Heilpflanzen zu sammeln, anzuwenden und weiterzugeben.
Melanie Weinberger
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